• Anja

Gläserner Mensch. Ja? Nein? Vielleicht?

Nach unserem Abenteuer im Schneedorf sind wir sicher in Changchun angekommen. Und bald hatte uns der Alltag wieder.

Dazu gehört auch, dass wir unsere Termine wahrnehmen müssen, klar.

Für unseren letzten Routine Check wollten wir 10 Tage nach dem Schneedorf ins Krankenhaus. Da ist die internationale Praxis, wo wir uns anmelden müssen.

Bis dahin kamen wir gar nicht.

Noch am Eingang wurden wir gestoppt und nicht mehr weiter gelassen.

Grund: Laut unserem „grünen Pfeil“ sollen wir in einem Risikogebiet gewesen sein.

Genauer in der Stadt Mudanjiang, in der Provinz Heilongjiang. Diese Provinz liegt neben unserer Provinz Jilin und war zu dem Zeitpunkt zum Risikogebiet erklärt.

Screenshot mit Sternchen.

Der Text sagt: Sie haben sich innerhalb der letzten 14 Tage länger als 4 Stunden an folgenden Orten aufgehalten.


Wir hatten aber sehr genau recherchiert, dass wir mit unserem Schneeausflug eben nicht unsere Provinz verlassen, um genau solches Theater zu vermeiden. Leider nutzte es uns in dem Moment nicht, sie ließen uns nicht passieren und wir konnten unseren Termin nicht wahrnehmen.

Um einen neuen Termin vereinbaren zu können, brauchten wir einen „sauberen“ grünen Pfeil, also haben wir uns von einer Krankenschwester zum Coronatest-Center führen lassen. Allerdings lief die gute Frau an dem normalen Center vorbei bis in die hintere Ecke des Grundstücks. Hier wurden wir dann in der Risikopatientenecke getestet. Der Test, obwohl der Gleiche, kostete doppelt so viel, war aber auch nicht schneller…

Damit war unser Teil erledigt, wir mussten auf unser Ergebnis warten, das kommt immer nachmittags, dann per Mail.

Bis dahin haben Denny und ich nochmal geprüft, ob wir vielleicht aus Versehen über die Grenze sind, oder wir beim ersten Mal nicht richtig geguckt hätten.

Nein, wir können uns nichts vorwerfen, wir haben richtig geschaut und sind auch auf unserem Ausflug nicht über irgendwelche Provinzgrenzen geskiert.

Kleiner roter Kreis: Schneedorf

Großer roter Kreis: Risikogebiet

Graue Linie: Provinzgrenze


Was ist also dann der Auslöser für unser Sternchen gewesen?

Wir haben festgestellt, schon während wir dort im Urlaub waren, dass wir nur in einigen Ecken und auch zum Beispiel oben auf dem Berg Handyempfang hatten. Unten im Tal nur sehr spärlich. Im Hotel hatten wir WLAN.

Wir vermuten, dass durch die in der Gegend fehlenden Großstädte, wobei Changchun in China nicht als Großstadt zählt, also eher durch die fehlenden größeren Dörfer, wurde auf Sendemasten verzichtet. Somit haben sich unsere Handys wohl in die Masten der benachbarten Provinz eingewählt.

Damit hätten wir also die Schwachstelle im chinesischen System entdeckt. Die ganzen QR-Codes und Pfeile laufen ja über das Handynetz. Dort wo sich dein Handy länger als 4 Stunden eingewählt hat, musst du dementsprechend auch gewesen sein. Dass wir dort nicht waren, interessiert niemanden.

Ich weiß allerdings nicht, ob wir auch einen Stern gehabt hätten, wenn wir die Telefone aus oder im Hotel gelassen hätten. Da dies aber eh keine Option war, da wir ja wirklich in einer echt verlassenen Gegend waren und auch eine Karte benötigt haben, stand das nicht zur Debatte.

Zumal die Handys bei den kalten Temperaturen am Körper getragen werden sollen, sonst ist der Akku ratz-fatz leer.


Nachmittags kam unser Testergebnis, wir waren natürlich negativ. Überraschung. Wer hätte das gedacht, haben wir in unserem Urlaub doch gerade mal mit 10 Menschen zu tun gehabt.


Übrigens! Das Sternchen war am Nachmittag auch verschwunden. So ein wenig Respekt hat mir das ja doch eingeflößt. Wir hatten ja unsere Handynummer beim Coronatest angegeben. Ich dachte schon: „Mensch, Mensch, das geht schnell und effektiv.“

Die Aufklärung folgte dann durch Denny, bzw. durch einen Kollegen von ihm:

Nachmittags wurde die Stadt oder die Provinz für nicht mehr Risikogebiet erklärt. Es lag also nicht an unseren negativem Testergebnis.

Screenshot "sauberer" grüner Pfeil


Unser Termin im Krankenhaus hätte zum Beispiel nur am Nachmittag sein müssen und wir wären ohne Probleme rein gekommen.


Also ist eigentlich nicht der Mensch gläsern, sondern die Technik, mit der er sich beschäftigt.

Inzwischen haben wir uns hier ein Tablet gekauft, ohne Telefonkarte, aber mit GPS. Das hätte uns auch das nötige Kartenmaterial geliefert und unsere grünen Pfeile im Handy wären vielleicht unbeschadet davon gekommen. Wäre einem von uns etwas auf der Tour passiert, hätten wir mit dem Telefon eh keinen Notruf tätigen können. 1. Nur oben auf dem Berg Empfang und 2. Spätestens wenn jemand am anderen Ende abhebt, könnten wir ihm nicht erklären, was passiert ist.

Vielleicht ein Denkanstoß für unsere nächsten Ausflüge?


Denny und ich wissen also ab sofort Bescheid: ist ein Stern drin, müssen wir uns was anderes einfallen lassen oder Vorsorge treffen.


Viele Grüße (sauber und ohne Stern)

Anja & Denny

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