• Anja

Ski Opening auf chinesisch

Freitag nach der Arbeit ging es Richtung Südost nach Changbai, etwa vier Stunden von Changchun entfernt. Das Changbai Gebirge, übersetzt etwa „immer weiß“, liegt in unserer Provinz Jilin und an der Grenze zu Nordkorea. Der höchste Berg mit 2750 m ist der Baitou. Ein aktiver Vulkan mit Kratersee und Blick nach Nordkorea.

Bisher haben wir uns noch nicht zu einem Ausflug dorthin überwinden können, da es hier nur geführte Touren gibt. Sprich mit Auto hinfahren, parken, in Bus einsteigen, zum Gipfel gefahren werden, Fotos machen und wieder zurück. Liegt vielleicht zum großen Teil auch daran, dass dort direkt die Grenze ist, aber diese „an die Hand genommen werden“-Ausflüge liegen uns nicht so sehr.

Das Grenzgebirge ist ein Naturschutzgebiet mit einer Fläche von 1900 km² und es soll hier sogar Leoparden, Sibirische Tiger und Braunbären geben.

Wir haben aber keine gesehen.


Nachdem wir uns schon einen Tag im Voraus informiert hatten, ob wir zum Einchecken ins Hotel einen aktuellen Covid-Test benötigen, (nein, wir brauchen keinen) wollte uns das Hotelpersonal dennoch nicht einchecken lassen. Denny hatte schon Sorge, dass wir nun 4 Stunden wieder zurück fahren müssen und war entsprechend unentspannt. Durch die zusätzliche Sprachbarriere hat es eine Weile gedauert, bis das Holiday Inn unsere Wohnungsbestätigung für Changchun akzeptierte und wir ein Zimmer bekommen haben. Die hierfür herangezogene Regel besagt: „Wer in Changchun lebt, die Stadt innerhalb der letzten 14 Tage nicht verlassen hat und einen Nachweis für beides erbringen kann, benötigt keinen PCR-Test.“


Das Frühstück hielt für mich nur Kaffee bereit, Denny ist ja mit der chinesischen Frühstücksvariante immer sehr zufrieden und wird satt. Es gab zwar auch eine Teilchen/Kuchen Ecke, aber leider waren die Waffeln, Zimtschnecken, Brioche und Kuchenstücke schon so trocken und hart, dass ich erst dachte, ich wäre in der Deko-Ecke gelandet…

Ich habe es halt nicht so mit Reis- und Nudelsuppe oder gebratenem Gemüse zum Frühstück. Der Buttertopf in der Toastecke sah auch nicht mehr ganz frisch aus, aber der Kaffee war gut und wir hatten ja unsere Notration mitgenommen.


Das Skigebiet bietet mit ungefähr 40 km Gesamtstrecke, 18 Pisten und 9 Liften eigentlich genug Platz. Leider war nur eine grüne Abfahrt (F1) geöffnet, da die restlichen Pisten nicht genug Schnee hatten.


Ab 8:30 Uhr lief der Lift bei bestem Kaiserwetter. Man konnte sogar bis zum Vulkan schauen.



Da ich noch doll erkältet war, Denny hatte mich in der Woche vorher erfolgreich angesteckt, bin ich nur ein paar mal runter und habe dann die Nase in die Sonne gehalten.


Was uns auch aufgefallen ist, viele Snowboarder schnallen das Brett für die Liftfahrt komplett ab und nicht nur den hinteren Fuß. Teilweise legen sie dann das Brett hinten auf die Sitzfläche und setzen sich davor, oder sie halten es die Fahrt über in der Hand.

Halte ich für sehr waghalsig. Nicht nur, dass das Brett aus dem Lift fallen könnte, sondern auch beim Ausstieg ja gerne mal ein Hang entsteht, der vereist ist. Mit dem Brett an den Füßen rutscht man da, im besten Fall, elegant runter. Zu Fuß ist der Schwan fast vorprogrammiert.

Aber das macht ja nix, der Po ist gut gepolstert.

Hier bekommt der Begriff „abgeturtelt“ eine ganze neue Dimension… Es gibt Pandas, Avocados, Eisbären, Pikachus in gelb und grau, Bananen und eben Schildkröten. Den Wünschen und Vorlieben des stilsicheren Snowboarders sind keine Grenzen gesetzt.

Was meint ihr, hätten diese Popolster auch Potential in Deutschland, Österreich, Schweiz?


Am Sonntagnachmittag ging es die 4 Stunden nach Changchun wieder zurück.

Die Landbevölkerung lebt größtenteils in Stein- oder Blechhäusern (…Hütten) aber immer mit Blechdach. Und offensichtlich ohne Fernwärmeanschluss. Jetzt zur Winterzeit ist es kalt und die Leute müssen heizen, wenn sie nicht (er-)frieren wollen. Eine Regel, was zum Heizen benutzt werden darf, scheint es hier aber nicht zu geben. Es wird also fröhlch alles verheizt, was brennt. Und entsprechend riecht es auch…

Es ist, als ob man beim Lagerfeuer auf der falschen Seite sitzt. Ganze Landstriche sind zugequalmt.

Ja, so wie es aussieht, stinkt es auch...


In Deutschland darf ein Kamin nicht betrieben werden solange der nicht 5x durch den TÜV, 3x abgenommen und 20x geprüft wurde und hier werden alte Socken verbrannt…

Ich weiß ja, das einer mit Klimaschutz und so den Anfang machen muss, aber wenn man sich das hier so ansieht und erlebt, stellt man sich wirklich die Frage nach dem Sinn des Ganzen.

Zumal, eh das Thema Klimaschutz, Feinstaub und Schadstoffe in der Luft hier bei der Landbevölkerung angekommen ist, die Menschen dafür sensibilisiert sind und sich dann auch noch entscheiden, anders zu heizen, es eh zu spät ist...


Aber einer muss ja anfangen und mit gutem Beispiel voran gehen. Also sortiert sich Deutschland durch den Müll, die Niederlande versiegeln die Seeventile bei Booten, damit das Pipi nicht ins Wasser geleitet wird und China?

China will bis 2060 klimaneutral werden….


Stand heute: Öhm, da ist noch Luft nach oben!

Aber ich habe ja schon gelernt, dass es hier in China immer anders ist, als man denkt und überhaupt… aber ich schüttel dennoch immer wieder den Kopf über solche Dinge.

Das hat sich nach dem ersten Jahr nicht geändert und, ich lehne mich mal weit aus dem imaginären Fenster, behaupte, dass es sich auch nach den drei Jahren nicht geändert haben wird.


Viele Grüße

Anja

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