• Anja

Chinas Schneedorf

Für ein paar Tage sind wir in DAS chinesische Schneedorf gefahren.

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Wie wir das gefunden haben? Denny hat in seiner Wetter App nachgesehen, wo es noch Schnee gibt! Hier in Changchun hatte es das letzte Mal im Dezember geschneit und da das Klima hier so trocken ist, „verdampft“ der Schnee trotz der durchgehenden Minustemperaturen.

Wir haben also ein Hotelzimmer reserviert, unsere Reisetaschen gepackt, die Ski in die Dachbox geladen und sind 5 Stunden Richtung Nord-Ost gefahren.

Was allerdings weder auf dem Navi noch in der Hotelbeschreibung erwähnt wurde, das Dorf ist Auto-frei!

Nach 5 Stunden Autofahrt standen wir also nur etwa 2 km von unserem Hotel entfernt vor einer Schranke. Und das Schrankenpersonal wollte diese partout nicht öffnen.

Wir wurden auf einen Parkplatz gewunken und mit der telefonischen Unterstützung einer chinesischen Kollegin von Denny wurde uns erklärt, dass wir unsere Sachen aus dem Auto sammeln, durch eine Schleuse gehen, in einen Bus steigen und dann den Rest zu Fuß laufen müssen.

Unser Stimmungsbarometer hatte sich von „happy, wir sind endlich da“ ungefähr der Außentemperatur von -17° Grad angepasst.


Nachdem wir unseren grünen Pfeil (Nachweis des Aufenthaltsortes der letzten 14 Tage), den grünen QR-Code gezeigt, unsere Temperatur gemessen, die Pässe 3x kontrolliert, die einen Tag vorher gemachten PCR-Tests vorgelegt und unsere Daten in eine Tabelle eingetragen haben, wurden wir in die Wartehalle gelassen. (mich hätte es nicht gewundert, wenn die Beamten auch eine Pipiprobe von uns hätten haben wollen…)

In der Halle mussten wir Eintritt für das Dorf und auch noch für den Bus, den wir ja eigentlich nicht nutzen wollten, bezahlen. Zusammen 240,00 rmb (ungefähr 35,00€).

Wir haben dann mit unseren 2 Reisetaschen, 2x Langlaufski und Stöcke, 2 Rucksäcke und 2 Umhängetaschen auf den Bus gewartet. Die Kites haben wir auf Grund mangelnden Platzes auf unseren Rücken und mangelnder Arme, wir haben ja jeder nur zwei, im Auto gelassen.

Das ganze Gerödel haben wir dann in den Bus geschleppt, der nach etwa 15 Minuten kam.

Am Ortseingang hielt der Busfahrer an und erklärte uns mit Händen und Füßen und zusätzlich sehr laut auf chinesisch, dass wir ab hier laufen sollen.


Bei mir war die Stimmung ja eh schon im Keller, also schon vorne an der Schranke. Ich wäre wieder nach Hause gefahren. Meinem Frust kann ich auf Grund von mangelnden Chinesisch-Kenntnissen nicht bei den entsprechenden Menschen abladen und das nervt mich noch mehr.

Bei Denny brauchte es etwas länger. Aber spätestens als der unfreundliche Busfahrer uns am Ortseingang aussetzen wollte, sind auch bei Denny die letzten Nerven am Ende gewesen. Vielleicht ist es manchmal doch ganz gut, dass die Leute uns nicht verstehen, weil das, was auf die Aufforderung an uns folgte, war definitiv nicht dazu geeignet, die Situation zu deeskalieren…….

Wieder musste Dennys Kollegin am Telefon Hilfestellung geben. Sie konnte den Busfahrer überreden uns ein Stück weiter in das Dorf zu fahren. Ganze 400 Meter weiter! (ein Hoch auf den Busfahrer gab es nicht!)


Von dort mussten wir dann laufen. Bepackt wie die Esel stapften wir durch den Schnee auf der Suche nach unserer Unterkunft. Da alles auf chinesisch geschrieben ist, nicht so einfach. Man schaut sich das Reservierungsbild an und hofft, dass das Hotel auch wirklich so aussieht ;)

Natürlich standen wir zuerst im falschen Hotel. Der Empfangsherr sah auch ziemlich überrascht aus, nach kurzem Telefonat zog er sich aber eine Jacke über seinen Pyjama, (hatte ich erwähnt, dass wir nachmittags angekommen sind?) und führte uns zu unserer Unterkunft.


Die Begrüßung und Check-In in unserem Hotel waren sehr angenehm und unkompliziert, wir sind ja schon komplett durchleuchtet worden. Aber auch unser Hotelchef trug einen Pyjama. Weiß-grau-hellblau kariert mit Kragen.

Wir haben uns dann ein Zimmer auf der Südseite aussuchen dürfen und haben uns erstmal von unserer Odyssee erholt. Da wir ja schon vorher die Erfahrung gemacht hatten und wussten, dass es in solchen abgelegenen Ecken wahrscheinlich schwierig wird mit Essen, dass auch ich mag, waren wir soweit vorbereitet, dass wir Nudeln mit Bolognese, Obst, Snacks, Wasser, Milch, Kaffee und eine Flasche trockenen Rotwein dabei hatten. Auf den überstandenen Stress gab es erstmal ein kleines Schlückchen Rotwein. Die ganze Prozedur, also die letzten 2 km, hat uns ca. 2 Stunden gekostet.


Kurz bevor die Sonne hinter den Bergen unterging, konnten wir uns dann auch wieder für die erste Runde durch das Dorf aufraffen.

Viele Gäste waren zu der Zeit nicht anwesend, sodass wir auf den Straßen fast allein unterwegs waren. Die meisten Häuser waren dunkel, mit einsetzender Dämmerung von außen angestrahlt.

Der Schnee auf den meisten Dächern wird nicht runtergeräumt, sodass man sehen kann, wie viele Lagen es geschneit hat und wie dick der Schnee ist.


Am nächsten Morgen musste Denny als erstes nach dem chinesischen Frühstück, bestehend aus Reissuppe, Hefeklöße, Mais und zwei Teller undefinierbares Öliges zum Auto seinen Kite holen.


Wir haben uns für diesen Tag eine Langlauftour vorgenommen. Insgesamt 12 km. 6 km Berg hoch und 6 wieder runter.

In der Zeit, in der Denny zum Auto geskiert ist, habe ich unsere Rucksäcke gepackt. Ein paar Snacks, Tee, Drohne und die dicken Schneeanzüge. Oben auf dem Berg soll es windig sein, also kalt. Bei -6° Grad sind wir am Hotel unter den großen Augen vom Herbergsvater, er hatte Langläufer noch nie gesehen, los.

Es gibt hier, also weder in Changchun noch im Schneedorf, Loipen. Wir konnten jedenfalls bisher keine entdecken. Und die Reaktion unseres Herbergsleiters, er trug übrigens wieder denselben vielleicht war es auch der gleiche (?), Pyjama, lässt uns darauf schließen, dass es auch im Schneedorf eher ungewöhnlich ist, Langlaufen zu gehen.


Der Weg berghoch war bereits geräumt worden und ein Auto war auch schon unterwegs gewesen. Wir haben die Reifenspuren genutzt. Ging super. Allerdings mit mehreren Pausen. Wir mussten erstmal herausbekommen, wer wie viele Klamotten, welche oder keine Mütze und Handschuhe braucht. Es wurde in der Sonne nämlich doch schon schön warm und auch der Rucksack auf dem Rücken hat gewärmt. Und die Bewegung ja sowieso.

Kurz vor dem Gipfel haben wir uns dann unsere warmen und winddichten Skianzüge, alle Handschuhe und Mützen übergezogen. Oben gab es nämlich keine Bäume, die den Wind abgehalten hätten.

Nachdem wir bis auf die höchste Stelle gestiefelt sind, uns alle Ecken angesehen und Denny versucht hat, mit Langläufern zu kiten, es geht nicht wirklich gut, haben wir uns für den gleichen Rückweg entschieden. Berg hoch war ja schon anstrengend, aber Berg runter rutschen ist auch spannend. Beide haben wir uns erstmal lang gemacht, bis wir den Dreh raus hatten. Meinen Bauchklatscher haben wir sogar auf Video


An unserer Hütte angekommen gab es ein isotonisches Kaltgetränk in der Sonne und ein frühes Abendessen. Für den Abend hatten wir uns noch einen Spaziergang vorgenommen. Am Dorfrand gibt es einen Holzpfad der abends beleuchtet ist. Fast menschenleer und sehr stimmungsvoll. Wir mussten dann feststellen, dass der Weg nicht überall beleuchtet ist. Nach ein paar hundert Meter im Dunkeln sind wir umgedreht. Für soviel Abenteuer am Abend war ich doch nicht mutig genug.

Den Holzweg sind wir am nächsten Morgen dann nochmal angegangen. Diesmal waren bis auf ein paar Mitarbeiter, die den Weg freigeschaufelt haben, keine weiteren Menschen unterwegs. Treppenstufe für Treppenstufe haben wir uns nach oben gearbeitet. Durch das Stapfen im Schnee hört man nur das Knirschen der Schritte. Sind wir aber stehen geblieben, haben wir Vögel piepen gehört. Und auf dem Weg nach oben gab es auch ganz viele Tierspuren im Schnee. Bei der Langlauftour haben wir zwar auch immer nach welchen Ausschau gehalten, aber bis auf eine einzige Hasenspur nichts gesehen.

Ganz oben empfing uns ein Holzaussichtsturm mit Lautsprecher. Mitten im Wald. In einer Lautstärke, dass einem die Ohren klingeln. Denny hat als erstes den Stecker gezogen. Nach unserer Pause hat er es aber wieder repariert ;)

Der Aussichtspunkt war ungefähr auf der gleichen Höhe wie der Berg vom Tag davor.

Alle paar hundert Meter gab es Hütten aus Holz. Meist sehr filigran gebaut, nur mit ein paar Nägeln. Ein paar hatten sogar bewegliche Fensterläden.

Hinter einer stabiler gebauten Hütte haben wir etwas kleines Felliges aufgescheucht. Was genau es war wissen wir nicht, aber das war dann auch nicht weiter interessant, weil durch unser Auftauchen das Pelzige abgedüst ist und dadurch eine Eule aufmerksam geworden ist. Nachdem wir ein paar Minuten atemlos im Schnee hockten wurde uns kalt und wir sind weiter.

Wir haben versucht von ihr ein Bild zu machen. Hier unser Suchbild.

Langsam wurde es dann auch Zeit den Rückweg nach Changchun in Angriff zu nehmen. Also zurück ins Hotel, schnell ein Mittag zaubern, versuchen unsere 7 Sachen möglichst tragbar zu verstauen, einen Bus zu erwischen und zu unserem Auto zu kommen.

Diesmal hatten wir einen super netten Busfahrer. Er konnte sogar ein wenig Englisch.

An der Schranke gab es dann eine weitere Überraschung:

Um das Dorf verlassen zu dürfen, wollten die Beamten einen weiteren Corona Test sehen. Wir haben ihnen unseren von der Einreise unter die Nase gehalten, der natürlich älter als 48 Stunden war. Ist dem Beamten auch aufgefallen, aber man kann es ja mal versuchen…


Nach kurzer Diskussion mit Unterstützung durch den Handyübersetzer hat er uns doch raus und zu unserem Auto gelassen. Hier mussten wir noch Parkgebühr bezahlen. (erinnert euch, wir wollten eigentlich nicht auf den Parkplatz)

Plötzlich hatten wir es dann doch eilig vom Parkplatz runter zu kommen, wer weiß, was den sonst noch so alles einfällt…


Nachdem wir dann an der wirklich letzten Schranke, mitten im Nirgendwo, nochmal stoppen mussten, weil auch hier irgendein Code vorgezeigt werden sollte, durften wir uns auf den Weg nach Hause machen. Da es dort mitten im Nirgendwo kein Internet gab, konnten wir auch keinen Code vorzeigen. Und die Wärter wollten sich auch nicht auf eine Diskussion mit uns Laoweis einlassen. Obwohl sie doch neugierig waren. Aus dem Wärterhäuschen kamen immer mehr Männer. Am Schluss standen glaube ich 6 Herren draußen und schauten uns an. Irgendeiner hat sich dann erbarmt und die Schranke geöffnet, nachdem ich versucht habe, ihm auf Chinesisch zu sagen, dass wir auf direktem Weg nach Hause, nach Changchun wollen.



Unser Fazit:

Nachdem es sich anfühlte, als ob wir ins Fort Knox einbrechen wollen, hat sich unser Kurzurlaub doch als sehr schön und interessant herausgestellt. Wir haben selten einen so blauen Himmel und so weißen, glitzernden Schnee gesehen. Die Schneelandschaft, auch im Dorf ist unberührt. Was sicher zum großen Teil an den Schildern, welche überall aufgestellt sind, liegt. Alle 10 Meter sagt dir ein Schild, dass du auf dem Weg bleiben, den Schnee nicht anfassen und deinen Müll nicht rumschmeißen sollst. Auch das fast Auto-frei war schlussendlich sehr angenehm. Nur die Busse sind durch das Dorf gedüst und haben dich von der Straße gehupt.

Für den kommenden Winter haben wir jetzt schon überlegt, dass wir wiederkommen wollen. Und diesmal sind wir ja vorgewarnt ;)

Unseren Kaffe und Milch müssen wir zwar wieder einpacken, aber die Notfall-Nudeln können zu Hause bleiben, das Abendessen in Hotel war nämlich sehr lecker.



Grüße aus Changchun

Anja & Denny

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