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Ein Sommer im Mittelmeer

Autorenbild: Anja
Anja
vor 14 Stunden
11 Min. Lesezeit

Wenn ich mir das Leben auf einem Segelkatamaran vorgestellt habe, dann sah das ungefähr so aus: türkisblaues Wasser, einsame Buchten, ein Sundowner in der Hand und das Gefühl grenzenloser Freiheit. Morgens aufwachen, wo andere Urlaub machen, den Anker lichten und weiterziehen, wenn es einem irgendwo nicht mehr gefällt.

 

Und ja, genau diese Momente gibt es. Ich habe in diesem Sommer Wasserfarben gesehen, die ich am liebsten für immer festgehalten hätte. Wir haben in Buchten geankert, in denen wir ganz allein waren, morgens den ersten Kaffee auf dem Delfinstuhl getrunken und bei einer mondlosen Nachtfahrt leuchtendes Plankton im Wasser entdeckt.

Aber wenn ich unseren Sommer im Mittelmeer in drei Worten zusammenfassen müsste, wären es wohl: anstrengend, lehrreich und anders als gedacht.

 

Denn zwischen dem Traum vom Leben unter Segeln und dem tatsächlichen Alltag an Bord liegen manchmal ziemlich viele Seemeilen. Und einige Reparaturen.

 

Unsere Route: Ein Sommer voller Inseln

Unser Sommer beginnt auf Mallorca. Von dort führte uns unsere Reise zunächst nach Menorca, weiter nach Sardinien, zur Insel Giglio und nach Elba. Anschließend erkundeten wir den Norden und Westen Korsikas, bevor es zurück in den Norden Sardiniens und schließlich wieder nach Mallorca ging. Von dort weiter nach Formentera und Ibiza und dann ging es im September nach Motril (spanisches Festland). Dort endete unser Sommer vorerst in der Werft für den Unterwasseranstrich.

 

Insgesamt haben wir in dieser Zeit rund 2500 Seemeilen zurückgelegt. Die meiste Zeit lagen wir vor Anker, in Häfen waren wir eher selten.

Wenn ich die Route auf einer Karte betrachte, sieht das nach einer ziemlich beeindruckenden Reise aus. Und das war es auch. Die Karte zeigt aber nicht, wie viel Zeit zwischen den einzelnen Punkten liegt. Sie erzählt nichts über Wetterfenster, Wellen, Gegenwind, die Suche nach einem geeigneten Ankerplatz oder die vielen anderen kleinen Aufgaben, die erledigt werden müssen, bevor man überhaupt weiterfahren kann.

Unser ursprünglicher Plan war ambitionierter: Wir wollten es in diesem Sommer bis nach Griechenland schaffen. Stattdessen sind wir gerade einmal bis ans italienische Festland gekommen.

Das klingt erst einmal nach einem ziemlich großen Unterschied zwischen Plan und Wirklichkeit. Und genau das ist es auch.

Wir haben unterschätzt, wie langsam man mit einem Boot unterwegs ist – nicht unbedingt, weil die Geschwindigkeit auf dem Wasser so gering wäre, sondern weil das Leben rund um die eigentliche Fahrt so viel Zeit beansprucht. Dazu kommen Wetterbedingungen, die man nicht kontrollieren kann, und die Erkenntnis, dass eine geplante Route eben nur ein Plan ist. Griechenland läuft uns nicht weg. Trotzdem mussten wir erst einmal lernen, dass man beim Segeln nicht einfach die Kilometer eines Roadtrips auf das Meer übertragen kann.

 

Türkisblaues Wasser und Lieblingsplätze

Wenn ich an die schönsten Orte dieses Sommers denke, fällt es mir schwer, einen einzigen Favoriten zu benennen. Dafür waren die Eindrücke zu unterschiedlich.

Stintino im Norden von Sardinien war wunderschön. Dieses türkise Wasser sieht beinahe unwirklich aus. Elba hat mich mit seinen Steinstränden und den intensiven Farben des Meeres begeistert. Und Korsika mit den Bergen, die sich direkt hinter der Küste erheben, landschaftlich noch einmal ganz anders.

Menorca ist mir ebenfalls besonders in Erinnerung geblieben. Die Insel war nicht nur wunderschön, sondern hat mich auch mit ihrer freundlichen und interessanten Atmosphäre überrascht. Und trotzdem merke ich, dass ich mich gar nicht unbedingt auf einen bestimmten Ort festlegen möchte.

Natürlich haben wir uns auch an Land umgesehen. Museen, Höhlen, Schlösser oder Burgen… Aber nicht immer hatten wir Glück mit den Öffnungszeiten. Auf Korsika wollte ich unbedingt das Haus Napoleons besichtigen. Es war geschlossen. Auch das gehört zu solchen Reisen. Manchmal steht man vor einer verschlossenen Tür, obwohl man sich auf etwas gefreut hat. 


Meine liebsten Plätze sind eigentlich diejenigen, an denen wir ganz allein sind.

Wenn wir eine Bucht finden, in der kein anderes Boot liegt, das Wasser ruhig ist und wir einfach nur das Meer um uns herum haben, ist das für mich etwas Besonderes. Kein Trubel, keine Geräusche von anderen Booten oder Generatoren, keine Nachbarn, die nur wenige Meter entfernt liegen. Nur wir, unser Boot und das Wasser.

Vielleicht ist das die eigentliche Freiheit, die ich mir vom Leben an Bord erhofft habe: nicht möglichst viele Orte zu sehen, sondern die Möglichkeit zu haben, dort zu bleiben, wo es sich gerade richtig anfühlt.

 

Es sind nicht unbedingt die großen Erlebnisse, die mir am stärksten in Erinnerung bleiben. Besonders schön sind die Morgenstunden, bevor der Wind einsetzt. Wenn noch alles still ist, das Wasser ruhig liegt und ich mit meinem Kaffee vorne auf dem Delfinstuhl sitzen kann. Es gibt dann nichts, was sofort erledigt werden muss, keine Entscheidung, die getroffen werden muss, keinen nächsten Programmpunkt.

Zumindest für einen Moment.

Ein weiteres Erlebnis, das ich so schnell nicht vergessen werde, war eine Nachtfahrt ohne Mond. Das Wasser um uns herum begann zu leuchten. Leuchtplankton machte die dunkle See plötzlich magisch. Solche Augenblicke lassen sich kaum auf einem Foto festhalten. Man muss sie selbst erleben.

Es sind diese Momente, die mir zeigen, warum ich auf dem Wasser sein möchte. Nicht, weil jeden Tag etwas Spektakuläres passiert, sondern weil es Augenblicke gibt, in denen die Welt ganz still zu stehen scheint.

Und vielleicht ist es gerade deshalb so wichtig, sie bewusst wahrzunehmen. Denn manchmal geht es an Bord so schnell von einer Aufgabe zur nächsten, dass man beinahe vergisst, sich umzuschauen.


Der Alltag an Bord: Zwischen 37 Grad und Reparaturmodus

So schön das Leben auf dem Wasser ist, so wenig hat es mit einem dauerhaften Urlaub zu tun. Unser Sommer war geprägt von technischen Problemen und Reparaturen. Ich bin eigentlich davon ausgegangen, dass wir unser Boot inzwischen gut kennen und technisch recht fit aufgestellt sind. Schließlich hat sich Denny intensiv mit allen technischen und mechanischen Dingen beschäftigt, vieles vorbereitet, gewartet und selbst in die Hand genommen.

Aber offenbar hatte ich unterschätzt, wie viele Dinge gleichzeitig kaputtgehen können – oder wie viel Arbeit selbst die kleinen Dinge machen. Ich versuche Denny zu helfen, so gut, wie ich eben kann. Aber ich bin halt kein studierter Maschinenbauingenieur.

Unser Wassermacher braucht eine große Wartung, die Ersatzteile sind schon an Bord. Das PDF mit der Anleitung dazu ist 24 Seiten lang… fiel aus. Unseren Gennaker hat‘s zerfetzt. Und immer wieder Wartungsarbeiten und Reparaturen, die Zeit, Geld und Nerven kosteten. Kaum ist eine Sache erledigt, wartet schon die nächste.

Besonders in Erinnerung geblieben ist mir die Geschichte mit unserem Gennaker vor Formentera. Kurz vor dem Sonnenuntergang, wir haben uns schon gefreut in 10 Minuten den Anker werfen zu können, kommen uns eine Speed-Fähre, mit etwa 30 Knoten und eine große Motoryacht entgegen und nehmen uns in die Zange. Die Kreuzwellen sorgten dafür, dass sich unser Boot kräftig schüttelt und bewegt. Aber nicht nur unten, sondern auch oben am Mast. Die Belastung am oberen Mastbereich war für unser Segel zu groß – und unser Gennaker war Geschichte. Das war definitiv nicht die Art von Segelerlebnis, die wir uns für Formentera vorgestellt hatten.

Inzwischen gibt es Ersatz: einen neuen Gennaker, diesmal in schönem Pink. Damit werden wir hoffentlich nicht mehr so leicht übersehen. Wenn schon ein neues Segel her muss, dann wenigstens eines mit Wiedererkennungswert!

Und dann war da noch die Hitze in Olbia. Hier hatten wir zeitweise etwa 37 Grad bei gefühlt 99 Prozent Luftfeuchtigkeit. Das ist die Art von Wetter, bei der man schon vom bloßen Herumstehen ins Schwitzen kommt. Wir waren jedenfalls ausgesprochen froh über unsere Klimaanlage. Ohne sie wäre es an Bord vermutlich nur schwer auszuhalten gewesen.

Auch beim Ankern haben wir Erfahrungen gesammelt, auf die ich gut hätte verzichten können. Mehr als ein Boot ist an uns getrieben oder vorne an der Nase hängen geblieben. Ein Größeres hat uns sogar einen Kratzer verpasst.

 

Das sind Situationen, in denen einem wieder bewusst wird, dass man auf dem Wasser zwar viel selbst entscheiden kann, aber eben nicht alles. Man kann seinen Anker sorgfältig setzen und den Platz gut auswählen. Trotzdem ist man immer auch davon abhängig, wie andere Boote liegen, wie sich Wind und Strömung verändern und ob alle ihre Situation richtig einschätzen.

 

Und wir haben in diesem Sommer vor allem auf eines gewartet: einen richtigen Sturm. Immer wieder haben wir die Wettervorhersagen verfolgt und uns gefragt, wann es uns wohl erwischen würde. Letztlich sind wir tatsächlich weitgehend verschont geblieben. Dafür bin ich sehr dankbar. Denn bei allem, was an Bord schiefgehen kann, muss ich nicht unbedingt auch noch einen schweren Sturm erleben.

 

Wenn ich eines gelernt habe, dann das: Man wird mit einem Boot niemals fertig. Wirklich niemals. Es gibt immer etwas zu warten, zu verbessern, zu reparieren, zu putzen oder neu zu organisieren.

Manchmal frage ich mich, ob wir irgendwann einen Zustand erreichen, in dem einfach alles funktioniert, aber vermutlich ist das einer dieser Träume, die man als Bootsbesitzer besser nicht zu ernst nehmen sollte.

 

Besuch an Bord: Schön, aber auch eine logistische Herausforderung

Ein weiterer wichtiger Teil unseres Sommers waren unsere Besucher.

Über Ostern waren Jasmin und Fabi mit den Kindern bei uns. Dann kam Denny Senior als Langzeitgast an Bord. Zweimal waren unsere Eltern zu Besuch und mein Bruder mit Freunden hat ebenfalls Zeit mit uns auf dem Boot verbracht.

Ich freue mich, wenn Familie und Freunde uns besuchen. Es ist schön, Erlebnisse miteinander zu teilen, gemeinsam neue Orte zu entdecken und Menschen, die mir wichtig sind, an unserem Leben teilhaben zu lassen.



Gleichzeitig bringt Besuch auf einem Segelboot eine besondere Herausforderung mit sich: Wer uns besuchen möchte, braucht schließlich einen genauen Ort und eine genaue Zeit. Wir können nicht einfach sagen: „Kommt irgendwann vorbei, wir sind irgendwo im Mittelmeer.“ Also müssen wir planen und organisieren. Wir müssen überlegen, wo wir zu welchem Zeitpunkt sein können, welche Strecke wir bis dahin zurücklegen und ob das Wetter mitspielt. Und plötzlich hat eine Reise, die eigentlich von Flexibilität und Freiheit leben soll, wieder feste Termine. Wenn der Wind nicht passt oder eine Reparatur länger dauert, lässt sich ein vereinbarter Treffpunkt nicht unbedingt so erreichen wie gedacht, nämlich segelnd. Manchmal muss die Route angepasst werden, manchmal der Zeitplan. Und manchmal bleibt uns nur, zu hoffen, dass alles so funktioniert, wie wir es uns vorgenommen haben.

 

Dazu kommt das Leben auf engem Raum. Zwei Menschen können sich auf einem Katamaran schon kaum aus dem Weg gehen. Wenn dann noch Gäste an Bord sind, wird es nicht unbedingt ruhiger. Das ist keineswegs ein Argument gegen Besuch. Im Gegenteil: Ich freue mich, Erlebnisse mit Lieblingsmenschen teilen zu können. Aber es ist eben auch Arbeit und Organisation. Und es bedeutet, dass man sich mitunter stärker nach Terminen richten muss, als man es sich für das Leben auf dem Wasser vorgestellt hatte.

 

Die größte Herausforderung: Zwei Menschen, ein Boot und eine Beziehung

Es gibt eine Herausforderung, über die man in klassischen Segelgeschichten eher selten etwas liest: das gemeinsame Leben an Bord.

Denn wenn man zu zweit auf einem Boot lebt, verbringt man sehr viel Zeit miteinander. Man teilt sich den Alltag, trifft Entscheidungen, organisiert die Reise, kümmert sich um Reparaturen und muss mit den unterschiedlichsten Situationen umgehen. Es gibt wenig Rückzugsmöglichkeiten und kaum die Gelegenheit, sich einfach einmal für ein paar Stunden aus dem Weg zu gehen.

Das kann wunderschön sein. Es kann aber auch anstrengend werden.

Eine anspruchsvolle Passage, ein technisches Problem, der falsche oder kein Wind oder ein geplatzter Plan sind nicht nur praktische Herausforderungen. Sie bringen auch Emotionen mit sich: Stress, Erschöpfung, Unmut und unterschiedliche Vorstellungen davon, wie etwas gelöst werden sollte, verschwinden nicht einfach, nur weil man sich gerade in einer schönen Bucht befindet.

Und genau hier liegt für mich die größte Herausforderung unseres Lebens an Bord: in der Beziehung. Ich war mir schon bewusst, dass das Leben auf dem Boot viel Arbeit mit sich bringen würde, dass Dinge kaputtgehen, dass man dazulernen muss und dass nicht immer alles nach Plan läuft. Aber es lässt sich vorher nur schwer planen, wie viel Kraft das gemeinsame Leben und die Beziehungsarbeit kosten können.

Denn bei einem technischen Problem ist die Sache vergleichsweise einfach. Man sucht nach der Ursache, überlegt, wie man das Problem lösen kann, bestellt ein Ersatzteil und baut es ein. Vielleicht dauert es länger als gedacht, vielleicht wird es teuer, vielleicht muss man improvisieren. Aber am Ende gibt es zumindest eine konkrete Aufgabe und ein Ziel, an dem man arbeiten kann.

In einer Beziehung funktioniert das leider nicht so einfach: Wenn etwas kaputtgeht, hilft kein Ersatzteil. Wenn es zwischen zwei Menschen schwierig wird, kann man nicht einfach ein neues Teil bestellen, es einbauen und anschließend darauf hoffen, dass wieder alles funktioniert. Man muss miteinander reden, einander zuhören, die eigene Perspektive oder Muster hinterfragen und bereit sein, den eigenen Anteil an schwierigen Situationen zu erkennen. Es braucht Aufmerksamkeit, Verständnis, Vertrauen und die Bereitschaft, Dinge nicht nur kurzfristig zu beruhigen, sondern nachhaltig etwas zu verändern.

Und anders als bei einer Reparatur ist nicht immer sofort klar, wo genau das Problem liegt oder was im Detail getan werden muss, damit es besser wird.

Ich empfinde das als eine der anspruchsvollsten Seiten unseres gemeinsamen Lebens. Denn man kann sich noch so sehr auf eine Reise freuen, noch so viele schöne Orte entdecken und noch so viel gemeinsam erleben: Die Beziehung und auch die gemeinsamen Themen reisen immer mit: Man kann vor einer schwierigen Situation nicht einfach davonsegeln und hoffen, dass sie sich in der nächsten Bucht von selbst erledigt hat. Man nimmt sie mit, von Bucht zu Bucht. Und wenn man dauerhaft so eng zusammenlebt, werden die Dinge, die zwischen zwei Menschen schwierig sind, nicht unbedingt kleiner. Ich möchte das Leben an Bord deshalb nicht romantisieren. Es ist nicht automatisch einfacher, harmonischer oder erfüllender, nur weil man sein Zuhause an einem wunderschönen Ort hat. Manchmal steht man im türkisblauen Wasser an einem superschönen Strand und hat trotzdem eine Menge miteinander zu klären.

Das bedeutet nicht, dass die schönen Seiten weniger wert sind. Aber für mich gehört beides zusammen: die Freiheit auf dem Wasser und die Arbeit, die es braucht, um das gemeinsame Leben gut zu gestalten.

 

Wir lernen ständig dazu – beim Segeln, bei der Navigation, bei technischen Dingen und im Umgang miteinander. Auf jeder Fahrt gibt es etwas, das wir im Nachhinein hätten besser machen können. Und auch in der Beziehung gibt es keine Garantie, dass nach einer schwierigen Phase einfach alles wieder gut ist. Es braucht Zeit, Initiative und die Bereitschaft, gemeinsam an etwas zu arbeiten.

 

Während man bei einer Segelmanöverbesprechung genau überlegen kann, was beim nächsten Mal anders laufen sollte, ist das Zusammenleben zu zweit eine ganz eigene Aufgabe. Man kann schließlich nicht einfach ein Ersatzteil bestellen, einbauen und darauf hoffen, dass danach wieder alles funktioniert. 


Erwartung und Wirklichkeit: Wir sind noch nicht ganz angekommen

Wenn ich ehrlich bin, hat sich die Vorstellung von unserem Traumleben bisher noch nicht vollständig an die Wirklichkeit angeglichen.

Die Bilder im Kopf waren natürlich schön: neue Länder, lange Segelpassagen, traumhafte Inseln und das Gefühl, endlich dort angekommen zu sein, worauf wir so lange hingearbeitet haben. Die Realität ist komplizierter:

Wir arbeiten gefühlt mehr als jemals zuvor. Es gibt immer etwas zu tun, und kaum ist eine Aufgabe erledigt, wartet schon die nächste. Unsere Reise geht langsamer voran als geplant. Wir verbringen viel Zeit mit Dingen, die auf keinem Urlaubsfoto zu sehen sind. Wir hatten uns vorgenommen, bis nach Griechenland zu segeln. Stattdessen haben wir gelernt, dass nicht jede Reise nach dem ursprünglichen Plan verlaufen muss. Und vielleicht ist es auch in Ordnung, wenn man nicht nach jeder Etappe das Gefühl hat, etwas Großes erreicht zu haben. Manchmal besteht der Fortschritt einfach darin, eine schwierige Situation besser zu meistern als beim letzten Mal.

 

Was von diesem Sommer bleibt

Wenn ich auf die vergangenen Monate zurückblicke, sehe ich einen Sommer voller Gegensätze:

Wir haben schöne Orte entdeckt, in traumhaftem Wasser gebadet und einsame Ankerplätze gefunden. Wir haben gelacht, neue Erfahrungen gesammelt und rund 2500 Seemeilen zurückgelegt. Wir haben aber auch viel gearbeitet, Reparaturen erledigt, Pläne geändert und gelernt, dass ein Leben auf dem Boot deutlich mehr Geduld verlangt, als wir erwartet hatten.

Vor allem bin ich dankbar, dass wir von schweren Stürmen verschont geblieben sind. Das ist keine Selbstverständlichkeit, und ich weiß, dass es auf dem Meer ganz anders hätte laufen können.

Die nächste Etappe geht nach Madeira, wo wir den Winter verbringen werden. Griechenland steht aber weiterhin auf unserer gedanklichen Landkarte. Dennoch versuche ich, mich nicht mehr ganz so sehr an einer bestimmten Route oder einem Zeitplan festzuhalten. Denn wenn ich eines aus diesem Sommer mitnehme, dann ist es wohl die Erkenntnis, dass das Leben an Bord nicht nur aus den Momenten besteht, für die wir losgesegelt sind. Es besteht auch aus all den Dingen dazwischen: Aus Reparaturen, die man nicht eingeplant hat. Aus Besuchen, die Freude machen und Organisation verlangen. Aus Entscheidungen, die man gemeinsam treffen muss. Aus kleinen Erfolgen, Rückschlägen und dem Versuch, aus jeder Fahrt etwas zu lernen.

Und natürlich aus den Augenblicken, in denen ich morgens mit meinem Kaffee auf dem Bug sitze und die Welt für eine Weile ganz still erscheint.

 

Schön, dass ihr uns auf unserer Reise begleitet. Wir freuen uns, wenn ihr auch beim nächsten Abenteuer wieder mit an Bord seid!

 

Fair winds und Ahoi

Anja & Denny


 
 
 

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