• Anja

Pingtan - Insel des Windes

Ein lokales Sprichwort sagt: „Pingtan, Pingtan, wo nichts gedeiht außer Stein.“


Nun, so ganz stimmt das nicht. Richtig ist aber, dass die Insel schon relativ trocken und sandig ist. Das natürliche Vorkommen von Granit auf der Insel ist nicht zu übersehen und verleiht der Insel einen kargen Ersteindruck. Die Einheimischen nutzen den Stein für den Hausbau und um ihre Felder voneinander abzutrennen.

Die Dächer der Häuser sind mit Ziegeln bedeckt. Als zusätlicher Schutz liegt auf jedem Ziegel ein Stein um zu verhindern, dass das Hausdach bei starkem Wind abgedeckt wird. Die Vegetation besteht überwiegend aus robusten Pflanzen und dazwischen gibt es immer wieder künstlich angelegte Gärten oder kleine Felder. Insgesamt aber ist die Insel trotz Dünen, Felsen und Sand nicht langweilig und karg, sondern sehr interessant und sehenswert.



Der Nord-Ost Passat bläst hier fast das ganze Jahr. Nur in den Sommermonaten dreht der Wind auf Süd. Bedingt durch die geographische Lage, Pingtan liegt im ostchinesischen Meer zwischen dem chinesischen Festland und Taiwan, entsteht zusätzlich ein Düseneffekt, was nicht selten Windgeschwindigkeiten von 30 Knoten oder mehr zaubert.

Pingtan ist mit 29 km Länge und 19 km Breite etwa doppelt so groß wie Fehmarn. Erst seit 2010 kann man die Insel über eine Brücke erreichen, vorher war das nur mit Fähre möglich.


Es gibt auf der Insel 4 Kitespots die bei Nord-Ost funktionieren und 2 für Südwinde.


1. Nordstrand

Endloser Sandstrand. Und je nach Tidenstand noch mehr Strand. Im ersten Drittel mündet ein kleiner Fluss ins Meer, bei Flut läuft das Delta voll und man findet hier eine kleine Freestyle Ecke. Der Wind kommt ohne Böen Onshore und die Wellen laufen sehr sortiert. In Lee befinden sich einige Windräder. Im kleinen Dorf gibt es ein paar Restaurants, Cafés und Unterkünfte. Parkplätze sind vorhanden, eine Kitestation gibt es nicht. Auch keine Duschen oder Toiletten (außer in den Restaurants). Beste Zeit ist 2-3 Stunden vor Höchststand, bis ca. 1-2 Stunden danach. Sonst muss man sehr weit laufen.


2. Red Rock Beach

Der Red Rock Beach liegt ein wenig versteckt hinter einer Hotel-Bau-Ruine. Man fährt in die aufgegebene Baustelle rein und parkt auf dem Hotelgelände. Der Name „Red Rock“ ist hier Programm, am Stand befindet sich ein Steinwall aus lauter roten Kieseln. Bei Flut steht das Wasser vorne am Wall, die Wege sind also deutlich kürzer, als am Nordstrand. Der Wind kommt über eine Landzunge Sideon böig rein und durch die keinen Inselchen in der Bucht ist das Wasser sehr kabbelig. Es gibt hier ab und zu eine mobile Kitestation, welche aus einem LKW Material verleiht und auch schult. Welcher Standard hier angesetzt wird entzieht sich aber meiner Kenntnis. Am Red Rock Beach gibt keine Cafés, Restaurants oder WCs. Ist der LKW vor Ort, gibt es eine mobile Dusche, wenn nicht, dann nicht. Durch die kurzen Laufwege ist der Spot auch bei Niedrigwasser zu empfehlen, wenn man sich von Böen und Kabbelwasser nicht gestört fühlt.


3. Longfeng Beach oder auch Stadtstrand

Der Stadtstrand befindet sich direkt in der Stadt Pingtan, an der Strandpromenade. Es gibt hier eine kleine Shopping Mall, Restaurants, Cafés und Toiletten. Allerdings sind die Parkplätze sehr weit weg und ab ca. 30 Knoten Wind wird der Strand vom Wachpersonal aus Sicherheitsgründen gesperrt. Man darf dann die Promenade nicht mehr betreten und auch die Restaurants nicht mehr benutzen. Man wird nicht mehr auf das Gelände gelassen. Der Strand ist sandig und je nach Tidenstand sehr breit. Es ist der Wellenspot der Insel. Die Wellen laufen sauber, sortiert und sind sehr hoch. Der Wind kommt meist Sideon bis Onshore.


4. Tannan Beach

Der Strand befindet sich fast ganz im Süden der Insel. Es gibt zwei Zufahrtwege, wobei der

nördlichere in einer Art Bungalowdorf endet. Hier könnte es passieren, dass ein Sicherheitsbeauftragter Einwände hervorbringt. Die Zufahrt im Süden endet am steinigen Bereich der Bucht. Ein Fußmarsch von etwa 200-300m ist hier obligatorisch. Dafür verirrt sich hier ganz sicher niemand hin. Der Strand ist halbrund und stark tidenabhängig, d.h. bei Niedrigwasser gibt es wieder lange Laufwege. Der Wind kommt Sideon bis Onshore und relativ gleichmäßig. Zwar sind auch hier ein paar Inselchen vorgelagert, die haben aber weder auf die Wellen, noch auf den Wind Einfluss. Die Wellen kommen sehr schön sauber rein, allerdings nicht so hoch wie am Longfeng. Infrastruktur sucht man am Tannan Strand aber vergebens. Keine Kitestation, keine Toiletten, keine Restaurant. Nichts.


5. Elephant Nose, Daojiayu

Der Spot geht bei Süd. Eine sandige Landzunge vor einer Bucht im Südwesten der Insel. Bei Niedrigwasser fällt die Bucht komplett trocken, bzw. schlammig. Infrastruktur? Nope.

Leider war die Zufahrt für den gesamten Zeitraum den wir auf Pingtan verbracht haben gesperrt, sodass wir diesen Spot nicht näher in begutachten konnten und auch keine Bilder vom Spot haben


6. Wandi Beach

Das ist der zweite Spot für südliche Winde. Die Bucht befindet sich im Osten der Insel. Man teilt sich hier den Platz mit einigen Fischerbooten und Fischfarmen. Der Strand ist sandig und je nach Tidenstand breiter. Da wir während unseres Aufenthaltes nur Nord-Ost Wind hatten, können wir zu den Bedingungen bei Süd leider nichts sagen. Die Zufahrt zum Strand befindet sich im Westen der Bucht. Man kann mit dem Auto fast bis auf den Strand fahren. Ein Restaurant, Café oder andere Annehmlichkeiten sind allerdings nicht vorhanden.


Pingtan - Insel Fazit:

Abwechslungsreich und landschaftlich fast schon mediterran gibt es auch bei wenig Wind keine Langeweile auf der Insel. An fast jeder Ecke gibt es Aussichtspunkte oder Tafeln, welche auf Besonderheiten aufmerksam machen (auf Chinesisch natürlich).

In der Stadt gibt es große Hotels und überall in den Dörfern findet man Pensionen oder Ferienwohnungen. Zu beachten ist allerdings, dass die kleineren Unterkünfte meist chinesische Betten haben. Und die sind ganz furchtbar hart. Wir haben uns von unserer Herbergsmutter eine zweite Unterlage geben lassen, weil wir nicht schlafen konnten. Aber unser Zimmerchen fanden wir trotzdem ganz schick.


Fast alle Einwohner in Pingtan leben von Fischfang oder Muschelzucht. Die Muscheln und/ oder Fische werden vor dem Haus oder auf der Straße auf großen Gittern getrocknet. Könnt ihr das Bild riechen?

Überall auf der Insel gibt es kleine oder größere „Restaurants“ die Fisch und Muscheln anbieten. Wer kein Fisch mag, der versorgt sich aus diversen Supermärken selbst, landet bei Mc Donalds oder KFC ;) oder geht in eins der zahlreichen Hotpotrestaurants. Hungern muss man jedenfalls nicht.

Die Wege zwischen den einzelnen Kitespots sind in kurzer Zeit mit dem Auto zu fahren. Von ganz oben im Norden, bis runter ganz in den Süden dauert es gerade mal 40 Minuten. Die Straßen sind meist leergefegt und man hat das Gefühl alleine auf der Insel zu sein.


Oberflächlich betrachtet ist Pingtan ein Kleinod. Versteckte Buchten mit tollen Sandstränden oder steinige Klippen, wo die Wellen heran rollen. Romantische und/oder ruhige Ecken gibt es überall. Schaut man jedoch genauer hin, stellt man fest, dass der erste Eindruck leider täuscht. Der Sandstrand, der aus der Ferne fast weißen Sand hatte, ist überhäuft mit angeschwemmten Müll oder Resten vergangener Picknicks. Das Glitzern des Wassers entpuppt sich als Plastiktüte und jede Welle schwemmt eine Handvoll neuer Styroporkügelchen an. Zwischen den Klippen hängen alte Fischernetze, Dosen, Flaschen und anderer Unrat.

Wie oben schon erwähnt leben die Menschen auf Pingtan vom Fisch. Da im Meer wahrscheinlich nicht mehr viel zu fangen ist, behelfen sich die Einwohner mit Fischfarmen. Diese schwimmen in einiger Entfernung vom Ufer im Meer. Und schwimmen tun sie mit Hilfe von Styroporbojen, die sich im Laufe der Zeit auflösen oder losreißen. Man könnte ja auch etwas anderes benutzen…

Die großen, öffentlichen Strände (Nordstrand, Longfeng und Tannan) werden durch Personal gereinigt. Kurz nach der Flut, wenn das Wasser wieder zurück geht, kommt ein ganzer Trupp und sammelt den angeschwemmten Müll in mitgebrachte Säcke. Die ersten Tage habe ich wirklich darüber gestaunt, wie organisiert, schnell und fleißig die Frauen und Männer sind. Dann jedoch haben wir beobachtet, wie die vollen Säcke hinter der Düne geleert wurden!!! Das schlägt nun wirklich jedem Fass den Boden aus. Leider hilft auch Ansprechen nicht, völlig beratungsresistent.



Video? Video!

Bewegtbilder zu unserem Urlaub gibt’s im Video. Und falls ihr euch fragt, warum Denny diesmal nicht im Wasser zu sehen ist, der hat sich entschieden Drohnenpilot zu werden. Allerdings nicht ganz freiwillig. Er hat sich im Urlaub den großen Zeh gebrochen, musste auf dem Trockenen bleiben und war zur Abwechslung mal mein Strandgroupie.

Dennoch haben wir zwei schöne Wochen auf Pingtan verbracht. Haben ein tolles Café, eine lecker Pizzeria und einen super Burgerladen (nein, nicht Mc Donalds) gefunden und neue Freunde kennengelernt. Zum gleichen Zeitpunkt wie wir war auch die Kitecommunity aus Shanghai auf Pingtan. Da dort ja alles ein wenig internationaler zugeht als bei uns im Norden waren hier Deutsche, Franzosen, Schweizer, Österreicher, Chinesen, Australier und Belgier am Start. Außerdem gibt es aus Shanghai eine direkte Zugverbindung auf die Insel.

Dauer: 5,5 Stunden.



Viele Grüße an euch

Anja & Denny

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